Neujahrsempfang
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- Erstellt am Donnerstag, 26. Januar 2012 11:28
- Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 05. Februar 2012 13:31
(oz gsi) Die Mitgliederversammlung des GEW Kreisverbandes Alsfeld fand am Freitagabend in der Max-Eyth-Schule statt. Im Anschluss daran informierten die Kreisvorsitzende Sigrid Krause und der Landesvorsitzende der GEW Jochen Nagel über die wichtigsten Inhalte der Sitzung, darunter zunächst die Wahl der Kandidaten, die der Kreisverband in den Gesamtpersonalrat für den Landkreis Gießen und den Vogelsbergkreis entsenden möchte.
Der Gesamtpersonalrat setzt sich aus vier Kreisverbänden zusammen, informierte Sigrid Krause, 14 der insgesamt 19 Mitglieder stellt die GEW der vier Kreise (die restlichen Plätze besetzen der Deutsche Lehrerverband Hessen und Unabhängige), zwei davon kommen in der Regel aus Alsfeld. Auf der Frauenliste wird Karin Hämmelmann für den Kreisverband Alsfeld antreten, auf die Männerliste wurde Ralf Fei gewählt. Für den Hauptpersonalrat, die Vertretung der GEW auf Landesebene, wird bei den Wahlen im Mai Sigrid Krause kandidieren. Sie hofft damit, die Interessen des Kreises auch beim Kultusministerium besser wahrnehmen zu können.
Landesvorsitzender Jochen Nagel nahm die Mitgliederversammlung in Alsfeld zum Anlass, ein Schlaglicht auf die Bildungspolitik des Landes zu werfen und sprach auch ein großes Thema der Versammlung an, nämlich die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Die darin verankerte Inklusion sichere Schülern mit körperlicher und geistiger Behinderung ein Recht auf die Teilnahmen am Unterricht in Regelschulen zu. Nagel und Krause monierten die unzureichende Umsetzung dieses Rechts auf Landesebene. Nun müsse man gemeinsam mit den Betroffenen Druck machen, dass Inklusion gelinge. Dazu gehört es nach Meinung der GEW, die Schulen mit entsprechendem pädagogischen Personal auszustatten und die Qualität an allen Einrichtungen - Regelschulen wie Förderschulen - zu sichern. Das Land wolle die UN-Richtlinie ohne Bereitstellung weiterer Ressourcen rein formal umsetzen, kritisierten die Gewerkschafter; den Inhalt der Inklusion gebe die Verordnung nicht her. Nagel sieht die Inklusion als neue gesellschaftliche Aufgabe. Dabei gelte es auch, die Skepsis der betroffenen Eltern zu überwinden. "Das Recht auf Inklusion soll in zehn Jahren umsetzbar sein", formulierte er ein Ziel der GEW. Doch so, wie die Vorlage im Moment sei, ist sie nicht umsetzbar, gab Sigrid Krause zu bedenken.
Der Landesvorsitzende verwies darauf, dass Hessen im Vergleich mit allen Bundesländern am wenigsten Geld für Bildung ausgebe, genauso wie Deutschland im Vergleich mit seinen Nachbarländern. Die chronische Unterfinanzierung des Bildungswesens werde noch verschärft durch die Schuldenbremse. Der Gewerkschafter forderte, dass den "Sonntagsreden der Politiker Montagshandlungen folgen" sollten.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion der Kreisverbandsmitglieder war die "Selbstständige Schule". Durch die rein betriebswirtschaftliche Orientierung dieser Selbstbestimmung befürchten die Gewerkschafter einen Abbau von Qualität durch mögliche Einstellung günstiger, schlechter qualifizierter Lehrkräfte, einen Abbau an Demokratie durch weniger Beteiligungsrechte des Personals sowie eine normierte Bildungsabfertigung. Schulen gerieten so untereinander in einen Konkurrenzkampf um die Profitabilität ihrer Einrichtung. Der Begriff der "Selbstständigen Schule" bedeute keineswegs mehr pädagogische Freiheit, wie die Gewerkschaft es sich wünsche, sondern sei de facto eine Verwaltung des Mangels. Nagel und Krause äußerten große Bedenken, dass stark betriebswirtschaftlich orientierte Schule nicht nur schlechter qualifiziertes Personal einstellen könnten, sondern auch keine förderungsbedürftigen Kinder mehr aufnehmen würden, um ihr pädagogisches Angebot nicht ausbauen zu müssen.
Schließlich kritisierten die beiden Vorsitzenden auch die wachsende Verwaltungsarbeit an Schulen, die zu Lasten der pädagogischen Arbeit gehe. Hier begrüßte Jochen Nagel den Erhalt der staatlichen Schulämter, durch die es möglich sei, Verwaltungsaufgaben sinnvoll zu strukturieren und zu bündeln und somit aus den Schulen zu verlagern. Insgesamt, so betonten Nagel und Krause, strebe die GEW mit der "Selbstständigen Schule" mehr sinnvolle Freiheiten und weniger Gängelung an. Keinesfalls dürfe die Bildungspolitik zu Lasten der pädagogischen Arbeit gehen.













